Ehrenamt vor neuen Herausforderungen

Forschungsprojekt PRAKOS hilft den Helfern

Schwere Stürme, Überschwemmungen, technische Großunfälle oder Terrorwarnungen – immer häufiger ist seit einigen Jahren der Katastrophenschutz gefordert. Die Bewältigung derartiger Einsatzlagen liegt zum Großteil in der Hand von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern – Menschen, die sich neben ihrem Beruf in der Freizeit oder im Falle eines Einsatzes auch während der Arbeitszeit für ihre Mitmenschen engagieren. Sie sind aktiv in den verschiedenen ehrenamtlichen Organisationen, wie den Freiwilligen Feuerwehren oder dem Technischen Hilfswerk, aber auch in den privaten Hilfsorganisationen, wie dem Deutschen Roten Kreuz, dem Arbeiter-Samariter-Bund, dem Malteser Hilfsdienst, der Johanniter-Unfall-Hilfe oder der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Aber auch viele Spontanhelfer engagieren sich in jüngster Zeit immer häufiger in Krisensituationen und kooperieren mit anderen Menschen oder den Behörden.

Um im Notfall schnell und effektiv helfen zu können, müssen die Ehrenamtlichen gut und umfassend ausgebildet sein. Dazu gehört es auch, neue Gegebenheiten zu berücksichtigen, die sich durch technische und soziale Veränderungen in der Gesellschaft ergeben. Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Forschungsprojekt „Praktiken und Kommunikation zur aktiven Schadenbewältigung (PRAKOS)“ unterstützt die Einsatzkräfte dabei, sich auf die Veränderungen einzustellen und ihre Ausbildung noch effektiver zu gestalten. Koordinator des Projektes ist das Referat 13 der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e. V. (vfdb). Partner sind die Universität Kiel, die Polizeiakademie Niedersachsen, die Universität Hamburg, die Universität der Bundeswehr München und die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) in Bonn.

Der Schwerpunkt bei vergleichbaren Untersuchungen zum Thema Großschadenslagen lag in den vergangenen Jahren überwiegend auf der Erforschung und Entwicklung von technischer Ausrüstung oder personeller Ausstattung der Einsatzkräfte. Im Allgemeinen wurde jedoch zu wenig berücksichtigt, welche Rolle z.B. Wahrnehmungen, Interpretationen, Kommunikationsansätze sowie Praktiken – aber auch das kulturelle Umfeld – mit Blick auf Großschadenslagen wirklich spielen.

Anhand realer Katastrophen der letzten Jahre untersuchen die PRAKOS-Forschungspartner, welche Schwerpunkte in der Ausbildung von Einsatzkräften in Zukunft eine größere Rolle spielen müssen. Dabei geht es sowohl darum, Bestehendes zu hinterfragen als auch nach Neuem zu suchen. Um diese Ziele zu erreichen, werden Einsatzkräfte und Mithelfer interviewt. Analysiert werden die Tätigkeiten, die Art der Kommunikation und die gesammelten Erfahrungen. Dabei geht es um die Frage, mit welchen neuen Situationen sich die Beteiligten arrangieren mussten und was daraus gelernt wurde? Dafür werden ähnliche Katastrophenlagen – beispielsweise starke Stürme in unterschiedlichen Gebieten – miteinander verglichen und regionale Unterschiede in ihrer Bewältigung erfasst.

Mit verbesserten Praktiken zur Schadensbewältigung soll ein volkswirtschaftlich messbarer Nutzen generiert werden. Durch das Zusammenspiel zwischen Forschern und Anwendern, wie Feuerwehren und Technisches Hilfswerk (THW), werden praxisnahe Lösungen erarbeitet, die im Schadensfall schnelle, effektive Hilfeleistungen ermöglichen.

Die Handlungsempfehlungen werden allen relevanten Akteuren, wie Behörden und Einsatzkräften bis hin zur Bevölkerung, zugänglich gemacht. So fließen die Erkenntnisse des Projekts direkt in die Ausbildung der Einsatzkräfte ein: Einerseits durch die Erstellung von Empfehlungen für die Ausbildung in den Organisationen vor Ort und andererseits durch die Einbindung der Erkenntnisse in Lehrgänge der organisationseigenen Bildungseinrichtungen auf Bundes- und Landesebene.

 

Mit der Förderung des Verbundvorhabens PRAKOS möchte das Bundesministerium für Bildung und Forschung die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bei ihrer Arbeit in den Städten und Gemeinden vor Ort unterstützen und alle Beteiligten noch besser auf die kommenden Herausforderungen im Katastrophenschutz vorzubereiten. Das Projekt PRAKOS, das auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt ist, endet im Oktober 2017.

PRAKOS - PRAktiken und KOmmunikation zur aktiven Schadensbewältigung

Vorhaben zur Bewältigung von Großschadenslagen (GL) legten in den letzten Jahren ihren Schwerpunkt in der Regel auf die Erforschung und Entwicklung von "hardware" (z.B. technische Ausrüstung, personelle Ausstattung). Diese im Zusammenhang mit Großschadenslagen wichtigen Untersuchungen berücksichtigen jedoch nicht, welche Rolle die "software" (z.B. Wahrnehmungen, Interpretationen, Kommunikationen, Praktiken) mit Blick auf Großschadenslagen wirklich spielt.

Aus einer retrospektiven Betrachtung von Schadensereignissen kombiniert mit einer Bewertung aktueller Ereignisse sollen Handlungsempfehlungen erstellt werden, die die im Katastrophenfall handelnden Personen unterstützen. Es sollen unterschiedliche Herangehensweisen aufgezeigt werden, die den Entscheidungsträgern neue Optionen bieten die bisher gar nicht oder nur passiv zur Schadensbewältigung genutzt wurden.

Koordinator des Projektes ist die vfdb e.V. Ref. 13. Als Ansprechpartner steht Ihnen Herr Dr. Dirk Oberhagemann gerne zur Verfügung. info@vfdb.de

Forschungsbericht "Führungssysteme bei komplexen Einsatzlagen" (Juni 2016)

Forschungsbericht "Zeitmanagement bei großen Einsatzlagen" (Juni 2017)