15.06.2017 Kategorie: Presse

Brandschützer verfassen Positionspapier zur Sicherheit von Fassaden

Brände, die vor Gebäuden entstehen, bereiten den Feuerwehren normalerweise keine Probleme. Das gilt allerdings nicht, wenn  die Fassaden mit Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) gedämmt sind, die nicht den heutigen Erkenntnissen der Brandsicherheit entsprechen. Dann besteht ein hohes Risiko, dass ein Feuer extrem schnell auf die gesamte Fassade übergreifen kann. In einem gemeinsamen Positionspapier haben die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren, der Deutsche Feuerwehrverband und die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb) Empfehlungen zur Brandsicherheit von Wärmedämmverbundsystemen an Fassaden mit Polystyrolschaum als Dämmstoff gegeben. Das Papier wurde am (heutigen)  Donnerstag verabschiedet.

„Der Termin unserer Stellungnahme unmittelbar nach dem Großfeuer in London ist rein zufällig“, betont vfdb-Vizepräsidentin Dr. Anja Hofmann-Böllinghaus. „Doch das Ereignis hat erneut die Brisanz des Themas ‚brennbare Fassadensysteme’ aufgezeigt, das bei uns nicht für Hochhäuser aber für viele andere Gebäude relevant ist.“ Deutsche Feuerwehren haben seit fünf Jahren Informationen über  insgesamt 90 Brandfälle gesammelt, an denen Wärmedämmverbundsysteme mit Polystyrol beteiligt waren. Polystyrol gehört zu den am meisten verwendeten Fassadendämmstoffen. Bei den betrachteten Ereignissen waren elf Todesfälle und 124 Verletzte zu beklagen. „Die Todesopfer gab es nicht in den ursprünglichen Brandwohnungen, sondern in Wohnungen anderer Geschosse“, heißt es in dem Papier. Mehrfach habe sich der Brand über die Fassade in weitere Geschosse ausgebreitet. Zwei Drittel der Brände seien vor dem jeweiligen Gebäude entstanden.

Die Arbeitsgemeinschaft spricht sich in ihrer Stellungnahme dafür aus, dass in Zukunft das europäische System zur Erhaltung des Sicherheitsniveaus in seinen Vorschriften auch den Brand von außen, den sogenannten Sockelbrand, berücksichtigt. „Da Fassadensysteme für Jahrzehnte am Bauwerk verbleiben, halten wir Robustheit in den Brandschutzmaßnahmen im Hinblick auf Einflüsse von außen wie Wetter und Beschädigungen für sinnvoll“, erklären die Brandschützer und verweisen auf ein entsprechend höheres Sicherheitsniveau in Österreich und Frankreich. Dort seien in jedem Geschoss bereits Brandriegel vorgeschrieben, die ein Übergreifen von Flammen verhindern können.

„Alle bisherigen Untersuchungen bestätigen einen entscheidenden Gewinn von Brandriegeln“, wird betont. Zugleich kritisieren die Fachleute, dass in Deutschland darauf verzichtet werde. Zudem fordert die Arbeitsgemeinschaft, dass bewegliche Brandlasten wie Müllcontainer, Sperrmüll und Fahrzeuge entweder ausreichenden Abstand zu Fassaden haben müssen oder nicht brennbar „eingehaust“ werden müssen. Sei das nicht möglich, so müsse die Fassade im Erdgeschoss mit nicht brennbaren Dämmmaterialien ausgestattet sein. Auch müssten beschädigte Systeme zeitnah ausgebessert werden.

Aufmerksam gemacht wird auch auf den Umgang mit brennbaren Dämmstoffen auf Baustellen. Hier würden zum einen größere Mengen an Dämmmaterialien für den Einbau gelagert, und zum anderen seien Brandschutzmaßnahmen noch nicht vollständig umgesetzt. Unterstrichen wird der Wert für die in Deutschland geltende Vorschrift für nicht-brennbare Fassadensysteme ab einer Gebäudehöhe von 22 Metern. Dies sollte auch auf alle anderen Sonderbauten angewendet werden.

Positionspapier für die Brandsicherheit von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) an Fassaden mit Polystyrolschaum (EPS) als Dämmstoff als PDF (deutsch)

Position paper for Fire Safety of External Thermal Insulation Composite Systems (ETICS) for façades with polystyrene (EPS) insulation as PDF (english)