22.06.2017 Kategorie: Presse

Brandschutzaufklärung als wichtige Integrationshilfe für Flüchtlinge - Bedeutende Rolle der Freiwilligen Feuerwehren

Die hohen Flüchtlingszahlen der vergangenen Jahre haben den Feuerwehren in Deutschland erhebliche Sorgen bereitet. Dabei geht es nach den Worten des Leitenden Berliner Branddirektors Frieder Kircher vor allem um Kommunikationsprobleme sowie um Unkenntnis des hiesigen Feuerwehrsystems und die Tatsache, dass es sich vielfach um sehr junge Geflüchtete handele. Inzwischen habe es erhebliche Anstrengungen bei der Entwicklung von Programmen zur Brandschutzaufklärung von Flüchtlinge gegeben. So sei bereits eine Bandbreite von teils auch mehrsprachigem Unterrichts- und Aufklärungsmaterial für geflüchtete Menschen vorhanden, die in Deutschland leben, sagte Kircher auf einem internationalen Brandschutzkongress im niederländischen Arnheim. Dort trafen sich rund 200 Expertinnen und Experten aus zehn europäischen Ländern zum Erfahrungsaustausch.
Frieder Kircher, der auch Vorsitzender des gemeinsamen Ausschusses für Brandschutzaufklärung und –erziehung der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb) und des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) ist, hob die Rolle der Freiwilligen Feuerwehren bei der Brandschutzausbildung hervor. Seit zwei Jahren bereits befasst sich der Ausschuss intensiv mit der Problematik. „Die Grundsätze der Brandschutzausbildung wurden in Kooperationen zwischen diesen Fachleuten und den Lehrern in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen entwickelt. Außerhalb des Schulsystems engagieren sich auch viele Jugendfeuerwehren, die versuchen, Flüchtlingskinder in ihre Reihen aufzunehmen“, so Kircher weiter.
Für die Mehrheit der Einwanderer sei Brandschutzerziehung etwas völlig Neues. Deshalb sei ihnen auch das Prinzip, dass es sich um freiwillige Helfer handelt, unbekannt. Brandschutzerziehung sei jedoch ein wichtiger Bestandteil der Integration von Flüchtlingen. Die Freiwillige Feuerwehr könne deshalb einen wichtigen Beitrag bei der Integration und beim Lernen liefern. Hier seien bereits deutliche Fortschritte erreicht worden. „Der wichtigste Fortschritt ist, dass wir auch  Menschen aus fremden Ländern, die bei uns Zuflucht gesucht haben, von unseren Idealen des Feuerwehrwesens überzeugen konnten“, stellte Kircher fest. „Wir haben sicher noch  große Herausforderungen vor uns, wir sind aber als Feuerwehrleute immer  zuversichtlich, dass wird diese auch schaffen können – sonst würden wir nicht in brennende Häuser laufen und dort versuchen, die Brände zu löschen.“

Zu den Themenschwerpunkten des Kongresses in Arnheim gehörten auch die Brandschutzaufklärung breiter Bevölkerungsschichten sowie die Problematik der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen wie Senioren und Kinder. Dabei wurde aufgezeigt, dass die Anstrengungen für die Verhinderung der Brandentstehung in den Benelux-Ländern, in Skandinavien und in England wesentlich weiter ausgeprägt erscheinen als in Deutschland. Während in Deutschland noch manche Bundesländer über eine Aufnahme von Brandschutzerziehung und Brandschutzaufklärung in die Feuerwehrgesetzen streiten, sind nach den Worten von Frieder Kircher dort die Feuerwehren mit vielen verschiedenen Aktivitäten längst dabei, die Bevölkerung über das richtige Verhalten im Brandfall aufzuklären. Schwerpunkt sind im Moment insbesondere Bemühungen zur Verstärkung der Aufklärung von Senioren, die als die Bevölkerungsgruppe  mit dem höchsten Anteil  an Brandtoten erkannt wurde.
Aus Dänemark wurde eine Lösung für eine mobile kleine, leicht aufstellbare Löscheinheit in Zimmern von Seniorenwohneinheiten vorgestellt. In Holland gibt es in allen Feuerwehrregionen Beauftragte für die Koordination der Brandschutzaufklärungsaktionen, die sich weitgehend hauptamtlich damit beschäftigen.
In Finnland wird von der Universität Turku ein Programm zur Unterweisung von angehenden Lehrern entwickelt, die damit in der Lage sind, mit Unterstützung der Feuerwehren  Brandschutz- und Sicherheitserziehung durchzuführen. In Island gibt es ein umfassendes Programm für Kinder mit praktischen Erprobungsmöglichkeiten, ähnlich wie die Floriansdörfer in Deutschland in Aachen, Iserlohn oder Kiez-Frauensee (Brandenburg) sowie das Feuerwehr-Informations-Zentgrum (FIZ) in Hamburg.


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