29.05.2019 Kategorie: Presse

Feuerwehren und Rettungsdienste im Wandel

vfdb-Fachtagung in Ulm weist auf die Notwendigkeit von umfangreichen Veränderungen bei den Rettern hin

ULM. Technischer Wandel, klimatische Veränderungen und gesellschaftliche Entwicklungen bedeuten für die Feuerwehren, den Rettungsdienst und Katastrophenschutz künftig neue Herausforderungen. Das ist das Resümee der 66. Jahresfachtagung der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb), die am Mittwoch in Ulm zu Ende ging. Rund 650 Experten aus dem In- und Ausland hatten sich drei Tage über den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik und der Gefahrenabwehr informiert.
 
Deutlich wurde vor allem die Erkenntnis, dass Feuerwehren und Rettungsdienste von morgen ohne umfassende Nutzung digitaler Technik nicht mehr die Anforderungen der Zukunft werden erfüllen können. Dazu gehört, wie in einem der Vorträge am letzten Kongresstag betont wurde, auch der Einsatz von Virtual Reality (VR) sowohl zu Übungszwecken als auch im Einsatz. Auch sogenannte „digitale Zwillinge“ sind längst keine Utopie mehr. Dabei ist es möglich, zum Beispiel eine VR-Simulation mit detailgetreuen Abbildern der Realität aufzubauen. „Die Grundlage für einen solchen digitalen Zwilling bildet die Analyse vorhandener Daten wie Konstruktionszeichnungen oder Baupläne“, erläuterte Patrick D. Reschke von Northdocks GmbH und wies auf die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten hin.

Auf breites Interesse stieß auch ein Forum zum Thema Holzbauten, die immer mehr im Trend liegen. Aus feuerwehrtechnischer Sicht betonte Peter Bachmeier vom Arbeitskreis Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz der AGBF, dass auch bei mehrstöckigen Standardgebäuden bis zur Gebäudeklasse 5 ein ausreichend sicherer Holzbau möglich sei. „Maßgeblich hierfür ist die Planung und die Ausführung“, sagte Bachmeier. Wichtig sei, dass den Einsatzkräften im Brandfall die möglichen Gefahren bekannt seien.

Angesichts ständig steigender Einsatzzahlen und einer zunehmenden Überlastung der Rettungsdienste im Bundesgebiet berichteten Jürgen Wolff, Leitender Branddirektor der Berufsfeuerwehr Aachen und der ärztliche Leiter des Aachener Rettungsdienstes, Dr. Stefan Beckers, von positiven Erfahrungen beim Einsatz von Telemedizin. 2014 hatte die Stadt den Telenotarztdienst als weltweit erstes umfassendes telemedizinisches Rettungsassistenzsystem in der prähospitalen Versorgung eingeführt. Seitdem ermöglicht das System nach Angaben der Referenten eine unmittelbare, sichere und zuverlässige Telekonsultation eines Notfallmediziners im Rettungseinsatz.

„Ohne Nutzung der technischen Möglichkeiten werden die Retter immer mehr an ihre Grenzen stoßen“, sagte vfdb-Präsident Dirk Aschenbrenner. Zugleich wiederholte er seine Forderung nach einem „DigitalPakt“ für Feuerwehren und Rettungsdienste. „Ob Nutzung von Tablets oder Telemedizin, Drohnen oder VirtualReality – wenn wir nicht mit der modernen Technik Schritt halten können, wird sich das Schutzniveau drastisch verschlechtern.“ Vizepräsidentin Dr. Anja Hofmann-Böllinghaus zog in ihrem Schlusswort zum Kongress ein Resümee: „Das Motto unserer Fachtagung hieß ‚Klima, Gesellschaft, Technik – alles im Wandel?‘ Das Fragezeichen können und müssen wir durch ein Ausrufungszeichen ersetzen. Ja, es ist alles im Wandel!“ Für Schutz, Rettung und Sicherheit seien deshalb weitreichende Auswirkungen auf die künftige Nachwuchsgewinnung, Ausbildung, Ausrüstung und Taktik erforderlich. Eine Schlüsselrolle nehme dabei die Digitalisierung ein. Die vfdb-Tagung bezeichnete sie als vollen Erfolg. Sie steht für ein lebendiges, funktionierendes Netzwerk.

Wegen der Weltleitmesse für Feuerwehr, Rettungswesen, Bevölkerungsschutz und Sicherheit, der INTERSCHUTZ vom 15. bis 20. Juni 2020 in Hannover, findet die nächste vfdb-Jahresfachtagung erst in zwei Jahren statt. Veranstaltungsort ist Münster.

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