22.07.2018 Kategorie: Presse

Grenfell Tower: Deutsche Brandschützer solidarisch mit Londoner Kollegen

vfdb kritisiert in Brief an Dany Cotton öffentliche Befragung der Feuerwehrleute

Die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) hat die Befragung der Londoner Feuerwehrleute zum Brand im Grenfell Tower vor gut einem Jahr kritisiert. In einem offenen Brief an die Leiterin der Londoner Feuerwehr, Dany Cotton, erklären sich die Brandschützer zugleich solidarisch mit ihren britischen Kollegen. Bei der Brandkatastrophe waren 72 Menschen ums Leben gekommen.

Aus den öffentlich vorliegenden Dokumenten werde deutlich, dass bei der Gebäudekonstruktion die Bauvorschriften in weitem Umfang nicht erfüllt wurden. „Als Beispiel sehen wir, dass sich der Brand in nur 20 Minuten über die Fassadenhöhe vom Brandherd bis zum Dach (ca. 50 m) ausbreiten konnte“, heißt es in dem von vfdb-Präsident Dirk Aschenbrenner und Vizepräsidentin Anja Hofmann-Böllinghaus unterzeichneten Schreiben. „Wir halten es für unerlässlich, die Fakten insbesondere in der aktuellen Phase 1 der öffentlichen Untersuchung zu berücksichtigen.“ Die Londoner Feuerwehr habe mit den Löscharbeiten innen und außen unmittelbar nach der Ankunft am Einsatzort begonnen. Zur gleichen Zeit seien auch die Rettungsaktionen angelaufen. „Dies alles muss angesichts einer nicht richtig funktionierenden Lüftungsanlage der Lobbys und des einen innenliegenden Treppenhauses sowie der extrem schnellen Brandausbreitung mit der schnellen Verrauchung des Treppenhauses gesehen werden“, geben die deutschen Brandschützer zu bedenken. Die vfdb sehe deshalb die Befragung der Londoner Feuerwehrleute in der öffentlichen Untersuchung mit zunehmender Irritation.

„Wir verstehen den Wunsch nach einer vollständigen Klärung von Hintergründen und Ereignissen in der Feuernacht. Aus unserer Sicht sollte das aber nicht vom eigentlichen Problem der weitgehenden Nichtbeachtung der Bauvorschriften des Grenfell Towers ablenken“, betont die vfdb. „Spekulationen über die Aktionen der London Fire Brigade werden von uns als unangemessen betrachtet.“

Erst kürzlich hatte ein Beamter der Londoner Feuerwehr-Gesamteinsatzleitung auf der Jahrestagung der vfdb in Duisburg anhand von Bildern und Grafiken den Verlauf der Katastrophe und die schwierigen Einsatzbedingungen geschildert. 200 Feuerwehrleute waren damals in dem Einsatz, der insgesamt 13 Tage dauerte und dessen polizeiliche und juristische Arbeit nach Einschätzung der Experten noch viele Monate dauern wird. „Wir haben Fakten und Herausforderungen kennengelernt und sind davon überzeugt, dass auch in Deutschland aus diesem Feuer Lehren gezogen werden können“, so die vfdb.

Offener Brief an die Leiterin der Londoner Feuerwehr

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