04.07.2017 Kategorie: Presse

„Noch nicht das Sicherheitsniveau der Bahn“

Nach der Katastrophe von Oberfranken: vfdb erinnernt erneut an Empfehlungen zur Verbesserung des Brandschutzes in Reisebussen

Als Konsequenz aus der Buskatastrophe in Oberfranken hat sich die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb) erneut für eine dringende Verbesserung des Brandschutzes für Reisebusse ausgesprochen. „Zwar hat es in den vergangenen Jahren bereits deutliche Fortschritte gegeben – jedoch haben die Materialien, die im Innenraum von Bussen zugelassen sind, noch längst nicht das Sicherheitsniveau wie beispielsweise bei der Bahn erreicht“, sagte vfdb-Präsident Dirk Aschenbrenner in einer Reaktion auf das schwere Busunglück am Montag in Oberfranken. Dabei waren 18 Menschen ums Leben gekommen, 30 weitere wurden verletzt.

„Auch wenn die Details zu dem Unfall noch ermittelt werden müssen, scheint festzustehen, dass sich die Flammen mit rasender Geschwindigkeit im Innenraum ausgebreitet haben“, gibt Aschenbrenner zu bedenken. „So etwas kann nur verhindert werden, wenn die Entflammbarkeit aller Busmaterialien erheblich reduziert wird. Minimale Brandschutzanforderung ist ein vertikaler Entflammbarkeitstest für alle Busmaterialien.“ Bereits vor sechs und zuletzt vor vier Jahren hätten vfdb und BAM entsprechende Empfehlungen herausgegeben. Dazu gehöre auch die Verringerung der Wärme- und Rauchfreisetzungsraten von Businnenraummaterialien und Sitzen.

Empfohlen werde die Anwendung der Grenzwerte des europäischen Bahnstandards. Ferner gehe es um Grenzwerte für die Toxizität des Brandrauchs der Materialien. Auch hier könne beispielsweise der europäische Bahnstandard verwendet werden. Zwei weitere Forderungen seien in den Vorschriften auf europäischer Ebene bereits umgesetzt worden: Rauchmelder in allen vom Fahrer nicht einsehbaren Orten sowie die Ausstattung des Motorraums mit einer Löschanlage.

„Bei den Materialien wurde bisher nur einen Vertikaltest für vertikal verbaute Materialien für verbindlich erklärt, die anderen Empfehlungen hat man  – noch ¬– nicht umgesetzt“, bedauerte der vfdb-Präsident. „Doch gerade die Brandausbreitung im Fahrgastraum ist bei Verwendung der derzeitigen Materialien unglaublich schnell, wie auch ein schrecklicher Brand im Jahr 2008 auf der Autobahn A 2 zeigte. Damals kamen 20 Menschen ums Leben, als ein Reisebus in der Nähe von Hannover in Flammen aufging.“

Zum Glück führe nicht jeder der schätzungsweise 350 bis 400 Busbrände pro Jahr zu einer Katastrophe wie jetzt in Oberfranken oder vor neun Jahren in Niedersachsen. Doch schon bei kleineren Bränden sei die Gefahr, eine Rauchgasvergiftung zu erleiden, groß. Das habe eine Untersuchung der Zusammensetzung von Rauchgasen ergeben, wie sie bei typischen Busbränden entstehen.
Aschenbrenner richtete abschließend einen deutlichen Appell an den Gesetzgeber, aber auch die Hersteller und Betreiber von Reisebussen, nun so schnell wie möglich den Brandschutzstandard an den Stand der Technik anzupassen.

Die vfdb hatte bereits am Montag ihre Trauer und Mitgefühl für die Opfer ausgedrückt. Präsident Aschenbrenner zollte zugleich den Helfern seinen Respekt für den schweren Einsatz und wünschte ihnen Kraft zur Bewältigung des Erlebten.

Pressekontakt:
Wolfgang Duveneck
Tel. (0175) 6536680
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