30.05.2018 Kategorie: Presse

Rettungsdienst: „So geht es nicht weiter“

Einsatzzahlen steigen immer weiter an – Abschluss der vfdb-Jahresfachtagung in Duisburg

Der Rettungsdienst in Deutschland steht aktuell vor den größten Herausforderungen seiner Geschichte. Darauf hat am Mittwoch Mathias Duschl von der European Resuscitation Akademie hingewiesen. Das Schweizer Expertennetzwerk befasst sich mit der Verbesserung von Rettungsdienst-Systemen, um mehr Menschen mit einem Herz-Kreislauf-Stilstand zu retten. Innerhalb von nur sechs Jahren seien die Einsatzzahlen der Rettungsdienste um 134 Prozent gestiegen, berichtete Duschl am Schlusstag der 65. Jahresfachtagung der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) in Duisburg.

Duschl sprach von einer „Überalarmierung“ der Notfallrettungsmittel. Der Rettungsdienst werde als „Feuerwehr des Gesundheitswesens“ missbraucht. Zugleich nannte er verschiedene Gründe für die Entwicklung. Um den Rettungsdienst fit für die Zukunft zu machen, sei eine grundlegende Neugestaltung der gesamten Notfallversorgung erforderlich. Notwendig seien strukturelle Veränderungen, sagte Jörg Wackerhahn, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Feuerwehren im Rettungsdienst“ (AG FReDi). „Wie es jetzt läuft, geht es nicht weiter.“

Das Thema „Rettungsdienst“ gehörte zu den Schwerpunkten des dritten Kongresstages. Dabei stellte der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Oldenburg, Jörg Gellern, eine von mehreren Kommunen eingeführte Helfer-App vor. Gellern wies darauf hin, dass 72,9 Prozent aller Fälle von Kreislaufstillstand innerhalb von Wohnungen passieren. Die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes könne neben der möglichen telefonischen Unterstützung aus der Leitstelle durch Wiederbelebungsmaßnahmen von Laien erheblich verringert werden. Bislang unterblieben in fast 60 Prozent der Fälle die wichtigsten lebensrettenden Maßnahmen in den ersten fünf Minuten.

Mit Einführung der Ersthelfer-App seien im Oldenburger Raum zunächst bis zu 6.000 zusätzliche Ersthelfer registriert worden, die in Notfällen von der Leitstelle alarmiert werden. Mittelfristig sei das Ziel, bis zu 10.000 Helfer zu gewinnen. Auf die hohe Zahl der Fälle von plötzlichem Herztod wies auch Bundesfeuerwehrarzt Klaus Friedrich hin. Jährlich seien 150.000 Menschen betroffen.

Wie schon an den Vortagen ging es auch am letzten Veranstaltungstag um die Digitalisierung und den technischen Fortschritt in der Gefahrenabwehr – vom Tablet an der Einsatzstelle bis zur Drohne.

vfdb-Präsident Dirk Aschenbrenner, der im Verlauf der Veranstaltung ebenso wie Vizepräsidentin Dr. Anja Hofmann-Böllinghaus im Amt bestätigt wurde, würdigte die Duisburger Tagung als einen weiteren großartigen Impulsgeber für den Brand- und Katastrophenschutz sowie Rettung und Sicherheit. „Auch diese 65. Veranstaltung hat wieder ideale Bedingungen für den Dialog zwischen Forschung und Entwicklung, Herstellern und Anwendern und damit wichtige Anregungen für künftige Entwicklungen geboten“, sagte Aschenbrenner zum Abschluss des Kongresses. Zugleich würdigte er die in diesem Jahr besonders große Beteiligung. Rund 700 Experten waren in die Duisburger Mercatorhalle gekommen. Die nächste vfdb-Jahresfachtagung findet im kommenden Jahr in Ulm statt.

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