11.05.2016 Kategorie: Presse

3.Pressemitteilung: Wissenschaft und Forschung gefragt

vfdb-Fachtagung setzt Akzente für Feuerwehren und Organisationen der Katastrophenabwehr

Deutschlands Feuerwehren und die anderen Organisationen der nicht-polizeilichen Gefahrenabwehr sehen sich vor immer größeren Herausforderungen. „Das Aufgabenfeld wird immer größer und hat eine Dimension erreicht, die personell, planerisch und auch wissenschaftlich wachsenden Handlungsbedarf verlangt“, sagte der Präsident der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. (vfdb), Dirk Aschenbrenner in Stuttgart. Er zog damit ein Resümee der dreitägigen vfdb-Jahresfachtagung, an der rund 600 Mitglieder und Gäste der Organisation teilnahmen.

In zahlreichen Fachvorträgen und Diskussionen berichteten Experten über neueste Entwicklungen und Erkenntnisse bei der Arbeit der Feuerwehren und anderen Organisationen. Ein Schwerpunktthema bildete dabei die Flüchtlingskrise, die alle beteiligten Institutionen bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht hat. So sprach sich beispielsweise Frankfurts Feuerwehrchef, Prof. Reinhard Ries, nach den Erfahrungen der Vergangenheit für die Einrichtung von ständigen Stabsstellen für Krisenmanagement auf Landesebene und eine Koordinierungsstelle beim Bund aus.

Für Beachtung sorgten auch erste Erkenntnisse aus einer bundesweiten Brandschadenstatistik, an deren Datenerfassung sich bereits zahlreiche Feuerwehren beteiligen. Mit dem Projekt wird unter anderem die Wirksamkeit von (anlagentechnischen) Brandschutzmaßnahmen auf der Basis von Einsatzdaten bei Gebäudebränden untersucht. Die Daten umfassen Feuerwehralarmierungen sowohl bei tatsächlichen Bränden, als auch bei Falschalarmen und werden über einen einheitlichen Erfassungsbogen gesammelt.

Zu den bisherigen Ergebnissen zählt nach den Worten von Dr. Sebastian Festag (Hekatron, Sulzburg) beispielsweise eine sehr hohe Rate von Falschalarmierungen, die sich wiederum nach dem Alarmierungsweg richten. Über alle Feuerwehren – Berufsfeuerwehren, Freiwillige Feuerwehren und Werkfeuerwehren – liegt demnach der Anteil an Falschalarmierungen bei 75,4 Prozent. „Die Projektergebnisse dienen dazu, Brände und deren Entwicklung besser zu verstehen, was für die Prävention und Bekämpfung von Bränden nützlich ist“, betonte Dr. Festag und appellierte an weitere Feuerwehren, sich an der Erhebung der Daten zu beteiligen, um repräsentative Aussagen zu erhalten. Die Ergebnisse, so Dr. Festtag, lieferten interessante Erkenntnisse mit einem theoretischen und praktischen Nutzen für verschiedene Kreise, z.B. für Feuerwehren, Brandschutzplaner, Versicherungen, Hersteller und Dienstleister von Brandschutzmaßnahmen und die Wissenschaft.

Zu den vielen weiteren Themen und Fachvorträgen gehörte die Sorge um die Sicherheit der künftigen Löschwasserversorgung. „Noch in den 90er Jahren haben Einsatzkräfte je nach Bebauungsdichte Hydrantenabstände von 80 bis 120 Meter gelernt“, gab der Leiter der Feuerwehr Ratingen, René Schubert, zu bedenken. Seitdem hätten sich die Richtlinien des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW), die für die Wasserversorger die Normen sind, radikal verändert. Neuerdings liege die Vorgabe bei einem Umkreis von 300 Metern zwischen Einsatzort und Löschwasserentnahmestelle.

Die Beladung an Schläuchen, die ein Löschfahrzeug mitführt, reiche nicht mehr aus. „Wir müssen für die Aufrechterhaltung der über Jahrzehnte bewährten Strukturen der unabhängigen Löschwasserversorgung aus Hydranten kämpfen – und zwar, bevor die Hydranten zurück gebaut sind“, forderte Schubert.

Kritische Infrastrukturen und barrierefreie vertikale Rettungswege waren ebenso weitere Themenkomplexe wie der Digitalfunk, das Stuttgarter Bahnprojekt, Automatische Löschsysteme für Wohn- und Pflegeheime oder die Frage, „Was können Simulationen im Brandschutz leisten?“.

„Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, bei all diesen Themen und darüber hinaus dem Bedarf an Information, Austausch und Vernetzung gerecht zu werden. Das gilt natürlich besonders in Krisenzeiten“, sagt vfdb-Präsident Aschenbrenner. „Um das hohe Sicherheitsniveau in Deutschland auch dauerhaft zu garantieren, ist deshalb eine Weiterentwicklung vorhandener und Schaffung neuer Verfahren mit Hilfe von Wissenschaft und Forschung notwendig.“ Mit dem jährlichen Kongress biete die vfdb eine hervorragende Gelegenheit, Anwender, Produzenten und Entwickler unter einem Dach zu versammeln. Das habe die 63. Veranstaltung ihrer Art in Stuttgart bewiesen. Im kommenden Jahr ist findet die vfdb-Jahresfachtagung in Bremen statt.

In der vfdb sind Anwender wie das Technische Hilfswerk (THW), das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Johanniter, die Feuerwehren und Katastrophenschutzorganisationen mit wissenschaftlichen Institutionen und Leistungserbringern aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor vereint.

Pressekontakt:

Wolfgang Duveneck
JFT@vfdb.de

 

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