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Referat 2

Rekord-Zufriedenheit mit der Interschutz

Rund 140.000 Besucher und Besucherinnen aus 144 verschiedenen Ländern kamen vom 1. Juni bis zum 6. Juni zur Interschutz nach Hannover. Damit wurde der Rekord aus 2015 zwar nicht übertroffen. Doch Aussteller, Besuchende und Veranstalter waren mit dem Verlauf der Weltleitmesse so zufrieden wie nie zuvor. Und dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

„Das Zusammenspiel von kommerziellen und ideellen Ausstellern macht seit jeher den besonderen Reiz der Interschutz aus – und die Veranstaltung dadurch einzigartig“, sagt vfdb-Präsident Dirk Aschenbrenner. „Diese Kombination gibt es übrigens schon seit dem Interschutz-Vorläufer `Der rote Hahn´ im Jahr 1953 in Essen.“ Als Erfinder dieses wegweisenden Konzepts gilt der erste vfdb-Präsident, Branddirektor August Ortloph.

Mit 95 ideellen Ausstellern wurde in diesem Jahr ein neuer Rekord aufgestellt. Sie belegten fast 19.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in den Hallen und im Freigelände. 2022 waren es nur 69 , 2015 zählte die Deutsche Messe AG 80 ideelle Aussteller. Neben den großen Hilfsorganisationen wie dem DRK, den Johannitern oder den Maltesern waren wieder die Bundeswehr, das THW, der Deutsche Feuerwehrverband, die Feuerwehren Augsburg, Berlin, Hannover und Werl auf der Messe vertreten. „Als wirkliche Bereicherung des Ausstellerangebots sehe ich auch die vielen kleineren Vereine, Sammler, Initiativen und Verbände an“, sagt Dirk Aschenbrenner. Als Beispiel nennt der vfdb-Präsident den Verband der Restaurator:innen, den Bundesverband Deutscher Bestatter oder die Initiative Feuerkrebs. Die beiden Erstgenannten waren 2026 erstmals auf der Interschutz dabei. Und beide wollen 2030 wiederkommen.  „Unsere Erwartungen an die Interschutz wurden voll erfüllt. Als Verband der Restaurator:innen haben wir den Kulturgutschutz auf der Messe erstmals sichtbar gemacht – und die Resonanz war überwältigend. Die Offenheit der Einsatzkräfte, die Tiefe der Gespräche und die Bereitschaft, das Thema in Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Ausbildungsstrukturen zu verankern, haben uns beeindruckt. Kulturgut gehört mitten in die Praxis der Gefahrenabwehr – nicht zuletzt, weil es in kriegerischen Auseinandersetzungen oft zu den ersten Angriffszielen zählt. Es ist Teil unserer Identität und zählt zu den besonderen Sachwerten, die eine Gesellschaft ausmachen. Und klar ist: Geschützt werden können diese Schätze im Ernstfall nur, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagt Nadine Thiel, Präsidentin des Verbandes Deutscher Bestatter.
Für die Verpflegung der ideellen Aussteller organisierte die vfdb als Mitveranstalter der Interschutz eine eigene Kantine in der Halle 22. In den gleichen Räumlichkeiten fanden auch der Begrüßungsabend, die Standparty der vfdb und gemeinsam mit der Deutschen Messe AG am Samstag nach Messe-Schluss der Dankeschön-Abend statt. Nur für den traditionellen Aussteller-Abend reichten die Kapazitäten in der Halle 22 nicht aus. Für die Verpflegung hatte das Interschutz-Büro der vfdb, Matthias Ludwig und Thomas Russ, den Versorgungszug der Kreisfeuerwehr Nienburg engagiert. Eine gute Wahl. Das Team um Kreisbrandmeister Bernd Fischer und Einheitsleiter Claas Krowicky bekochte täglich bis zu 1.000 Gäste. „Wir haben ausnahmslos lobende Worte gehört“, freute sich Bernd Fischer.

1.772 Aussteller aus 55 Ländern

Und damit passte die vfdb-Kantine hervorragend ins Gesamtbild der diesjährigen Interschutz. Auch ohne den im Vorfeld von vielen Akteuren erhofften Besucherrekord war es eine rundum gelungene Veranstaltung. Rund 140.000 Besucher aus 144 Ländern strömten an den sechs Tagen Anfang Juni zur Weltleitmesse für Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz. Mit 1.772 Ausstellern aus 55 Ländern und rund 120.000 Quadratmetern belegter Fläche bekräftigte die Messe einmal mehr ihre Position als international wichtigster Branchentreff.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Sicherheit und Resilienz unserer Gesellschaft sind die Themen der Gegenwart - weltweit. Und davon profitierte die Interschutz in diesem Jahr. Das hohe internationale Besucherinteresse belegt, wie groß der Bedarf an Austausch und globaler Zusammenarbeit ist. „Die Bedeutung von Feuerwehr, Rettungswesen und Bevölkerungsschutz ist heute mehr denn je in den Köpfen der Menschen verankert“, sagt Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Messe AG. „Im Vergleich zu 2015 hat sich der Anteil der internationalen Besucher von 13 auf 24 Prozent nahezu verdoppelt. Mit der Entscheidung, den Bevölkerungsschutz thematisch in den Mittelpunkt der Messe zu rücken, haben wir früh die richtigen Weichen für den Erfolg der Veranstaltung gestellt. Die Resonanz der Branche bestätigt diesen Kurs.“
Die Aussteller der internationalen Blaulicht-Community haben die diesjährige Interschutz mit ihren Produkten und Lösungen nicht nur zu einem innovativen und technologischen Marktplatz gemacht, sondern vor allem zu einem strategischen Wendepunkt für die Sicherheit. „Sicherheit und Handlungsfähigkeit unserer Gesellschaft werden zunehmend vor Ort entschieden – durch gut ausgebildete und anpackende Menschen, die im Ernstfall Verantwortung übernehmen und anderen helfen, durch leistungsfähige Organisationen, die noch stärker international zusammenarbeiten und durch moderne Produkte und Technologien, die Einsatzkräfte schützen, Entscheidungen beschleunigen und so Menschenleben retten“, fasste Dr. Köckler zusammen.

Stellenwert der Zivil-Militärischen-Zusammenarbeit steigt

Deutlicher als je zuvor ist diesmal die engere Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ) sichtbar gewesen. So stieß der tägliche Auftritt von Oberst i.G. Armin Schaus, der als Abteilungsleiter im Operativen Führungskommando der Bundeswehr den „Operationsplan Deutschland“ vorstellte, auf viel Aufmerksamkeit. Dabei beschrieb er, warum es heute entscheidend auf die Resilienz von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft ankommt. Eines der vielen Beispiele für den verstärkten Blick auf Vorsorge für die unterschiedlichen Krisen- und Katastrophenfälle war zudem die Premiere eines modularen Bunkers.
Fahrzeughersteller, Ausrüster und PSA-Anbieter investieren massiv in die Entwicklung. Die Botschaft lautet aber nicht „mehr Technik“, sondern „Mehr Wirkung im Einsatz“. Die Interschutz erwies sich erneut als die ideale Plattform, um Erfahrungen aus der Praxis an die Industrie und umgekehrt direkt weiterzugeben. Dr. Köckler: „Die enorm hohe Nachfrage nach Lösungen und Innovationen bei den Ausstellern hat gezeigt, dass die Branche bereit ist, die Herausforderungen der kommenden Jahre aktiv zu gestalten.“

Feuerwerk an Innovationen

„Wer Innovation sucht, kommt zur Interschutz. Nirgendwo sonst gibt es ein vergleichbares Portfolio an leistungsfähiger Technik für Feuerwehren und Rettungskräfte. Nirgendwo sonst wird der Dialog zwischen Herstellern und Anwendern, zwischen Feuerwehren, Industrie und kommunalen Entscheidern so großgeschrieben“, sagte Dr. Tobias Ehrhard, Geschäftsführer des Branchenverbandes VDMA Feuerwehrtechnik. Der Verband ist zusammen mit der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) und dem Deutschen Feuerwehrverband (DFV) ideeller Partner der Weltleitmesse. „Die hervorragende Resonanz auf die Interschutz 2026 zeigt einmal mehr: Hannover ist und bleibt der Impulsgeber und Navigator für moderne Brandbekämpfung und resilienten Bevölkerungsschutz“, so Ehrhard weiter.
„An keinem anderen Ort findet ein so intensiver Austausch zwischen Lehre und Forschung, Industrie und aktiven Einsatzkräften statt wie hier in Hannover auf der Interschutz,“ sagt vfdb-Präsident Dirk Aschenbrenner. Nach den Worten von DFV-Präsident Karl-Heinz Banse hat die Interschutz 2026 eine große Dynamik in die Feuerwehrwelt gebracht – vor allem mit Blick in die Zukunft. „Die Einsatzkräfte sind bereit, die Industrie stellt uns praxisgerechte Technik zur Verfügung. Die Feuerwehrwelt rückt zusammen und schaut mit Zuversicht auf die Herausforderungen: Das macht Mut angesichts der aktuellen Lage“, so Banse.

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

In neun Hallen und auf diversen Freigelände-Arealen wurden darüber hinaus zwei zukunftsweisende Megatrends erlebbar: fortschreitende Digitalisierung und flächendeckender Einzug Künstlicher Intelligenz (KI) in die Rettungsinfrastruktur. Ein Beispiel dafür gab die moderne Leitstellentechnik. Aussteller präsentierten hochintelligente Systeme, die in der Lage sind, Notrufe in Sekundenschnelle sprachübergreifend zu analysieren, kritische Lagebilder automatisiert zu erstellen und Einsatzkräfte präziser als je zuvor zu koordinieren. Ebenfalls dicht umlagert waren auch Robotik-Systeme, die Einsatzkräften die Arbeit leichter und sicherer machen. Zu den Fokusthemen gehörten ferner Nachhaltigkeit und die Auswirkungen des Klimawandels. Letzteres wurde mit der Premiere des WildfireCamps verdeutlicht. Dort ging es um Technologien und Lösungen, die Vegetations- und Waldbrände früh erkennen und damit vermeiden können oder im Einsatz dabei helfen, sie zu bekämpfen.
Zufriedene Gesichter bei Ausstellern ebenso wie bei Besuchern: Neben Einsatzfahrzeugen aller Art und Ausrüstung für unterschiedliche Einsatzzwecke gehörte auf einer Fläche von 3 000 Quadratmetern ein mobiles Feldkrankenhaus des Deutschen Roten Kreuzes zu den Besucherinteressen. Dr. Köckler: „Bei aller technologischen Entwicklung hat die Interschutz vor allem eines sichtbar gemacht: Im Zentrum stehen die Menschen, die Verantwortung übernehmen und anderen helfen.“
Ein dicht gedrängtes Rahmenprogramm aus Fachkonferenzen, Live-Demonstrationen und spannenden Wettbewerben sowie Mitmach-Aktionen machte die Interschutz 2026 zu einem emotionalen und fachlichen Highlight für Einsatzkräfte aus aller Welt. Die nächste Interschutz findet vom 20. bis 25. Mai 2030 in Hannover statt.
Leider ereignete sich während der Messe allerdings auch eine emotionaler Tiefpunkt: Im Rahmen der FireFit Championships Europe kollabierte ein Berufsfeuerwehrmann, der später im Krankenhaus verstarb. Dr. Köckler: „Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Freunden, Kameradinnen und Kameraden sowie allen Angehörigen und Weggefährten. Die gesamte Interschutz-Gemeinschaft nimmt Anteil an diesem schweren Verlust.“ Dies wurde bei der kleinen Gedenkveranstaltung auf dem Wettkampfgelände am Freitagmorgen deutlich. Vielen Teilnehmern der bewegenden Zeremonie standen die Tränen in den Augen. Auch eine große Sicheitsmesse ist vor solchen Tragödien nicht geschützt.

 

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